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Blick zurück zum Uhuru Peak
Bin wieder in Deutschland und muss schon schmunzeln, was Mario aus zweimal 30s Telefonaten gemacht hat… Mehr hat mein Handy samt Solar-Nachladestation und das Netz nicht hergegeben. Jedenfalls war ich 6.30 Uhr zum Sonnenaufgang am Stella Point (s. Foto), Tränen überströmt und mit der Ahnung das letzte Mal im Leben hier oben zu stehen. Mike umarmte mich und sagte, dass es ihm auch schlecht geht mit seinem Knie und er daher nicht mit der Gruppe Nieberle zum Uhuru Peak weiter gelaufen ist. Wir beschlossen abzusteigen.
Warum vergesse ich bloß jedes mal wie schwer mir die letzten 200m Höhenmeter fallen? Sind 0.00 Uhr vom oberen Barafu Camp Uhr los gelaufen. Adolf musste nach ca. 20 Minuten umkehren, er laborierte an einer alten Lungenkrankheit. Gerald begleitete ihn ins Camp und war in unmöglich erscheinender Zeit wieder bei uns, eben ein Chagga. Mike lief vorne wie immer in seinem ruhigen Moonwalkschritt und die vier anderen Guides am Ende begannen zu singen. Dieser meditative Gesang tat mir sehr gut, er beruhigte ungemein. Ich kämpfte mit Schwindel, aber nicht aufgrund der Höhe. Eine nicht ausgelegene Gehirnerschütterung macht mit schon seit Jahren zu schaffen. Immer wenn es Spotlight gibt und tanzende Schatten wird mir schwindlig. Disco und eben auch die Schlange der Bergwanderer mit ihren Stirnlampen sind unerträglich. Nach einiger Zeit brach Mike den Gesang barsch ab. Später wurde klar, dass er hier schon starke Schmerzen im Knie hatte und er das unbekümmerte Gesinge wohl als Zumutung empfand. Bis zur dritten Essens- und Trinkpause lief es gut und ich war inmitten der Gruppe. Das dritte Gel löste allerdings schon einen Brechreiz aus und dann fand ich mich plötzlich hinter Richard alleine wieder, der extrem langsam ein Bein vor das andere setzte. Ich machte einfach mit und grübelte dabei, wo wohl die Gruppe geblieben ist. Irgendwann erkannte ich auch Gerald hinter mir, der bei Gerhard war. Wir zwei waren die abgeschlagenen. Ich weiß von den anderen Besteigungen, dass man erst einmal AUF den schwarz sich vom Nachthimmel abhebenden Mawenzi schauen muss, sonst ist man noch nicht hoch genug. Danach löst sich langsam der Sternenhimmel auf und weicht einem milchgrauen Schein. So war es auch diesmal und dann waren wir doch plötzlich oben. Gerhard lief nach kurzer Pause der Gruppe zum Uhuru Peak hinterher, ich hatte, auch weil ich Mike nicht alleine runterhumpeln lassen wollte, keine Motivation ihm zu folgen. Heute ist Sonntag, am Dienstag waren wir oben und ich nehme mir vor mit besserer Vorbereitung beim fünften Aufstieg wieder bis zum Uhuru Peak zu laufen.